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Bild von Reiffenstein
Carl Theodor Reiffenstein (1820-1893)
Landschaftsmaler und Frankfurter Bildchronist
Reiffensteins „Sammlung Frankfurter Ansichten“ gehört zum Gründungsbestand des Historischen Museums. Der Künster verkaufte sie 1877 der Stadt. In 2.000 Aquarellen und Zeichnungen sowie auf 2.400 Manuskriptseiten hielt er das alte Frankfurt fest.

Suchergebnis für Stein

Band 11, Seite [108]
Herr Dr. med. Bagge, Armenarzt, welcher zwei Tage vorher den kranken Mann noch darin besucht hatte, nicht mehr das Häuschen, geschweige denn den Patienten im Trierischen Hofe fand. Der Mann war noch ein von dem ehemaligen Kurfürsten von Trier eingesetzter Verwalter; er war hoch in den Neunzigern, und ich habe ihn selbst einige Tage vor dem Abbruch in dem Häuschen besucht, allwo ich ihn im Bette liegend in der Stube des ersten Stockwerks fand.
Bald war auch der untere Theil des Häuschens verschwunden, und nun zeigte sich der alte steinerne Brunnenkranz von blauem Basalt in seiner ganzen Rundung, wohlerhalten wieder, nachdem er über 130 Jahre bei der Erde gedeckt und überbaut gewesen, so daß nur ein ganz kleines Stück des Kranzes von außen sichtbar geblieben war. Die Schoppen und Waarenlager fielen ebenfalls, worauf ein großer Theil der alten Original- Ringmauer mit einer der Stadtmauer bei den Dominikanern ähnliche Bogenstellung zum Vorschein kam.
Diese Mauer war dieselbe, welche den Hof nach dem Geißgäßchen hin abgrenzte und auch von außen immer den Eindruck hohen Alters machte. Durch ihre Stärke geschützt, war sie bei dem ungeheuren Brande von 1719 unversehrt geblieben. Nachdem nun auch auf der Seite nach der Steingasse hin die letzten hölzernen Bauten gefallen waren, stellte sich auf einmal das Bild des Brandplatzes in überraschender Weise dar. Man hatte nach
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dem Brande die Wohnhäuser nicht wieder aufgebaut, weil kein Geld dazu vorhanden war, sondern den Platz, um ihn zu verwerthen mit Schoppen bedeckt, welche an die stehengebliebenen Mauerreste angelehnt und eingebaut waren, dadurch wurden die Mauern ziemlich geschont und zeigten nun ein vollkommenes Bild des Aussehens des gesammten Platzes kurz nach dem Brand. Sogar die Spuren des Rauches und der Flammen konnte man daran noch deutlich erkennen. Am besten erhalten war ein Theil der Mauern der Capelle mit 2 gothischen Fenstern aus der ersten Zeit des Spitzbogens ohne Maßwerk und Nasen von Basalt einfach in Faasen ausgeführt. Diese Fenster standen nach Osten und sahen auf ein schmales unbebautes Plätzchen, das zwischen der Kapelle und der Ringmauer des Hofes nach der Steingasse hin, lag. s. Steingasse 9.
Nach theilweiser Hinwegräumung des Schuttes wurde der Grundriß der Capelle sichtbar; sie muß doppelte Gewölbe gehabt haben, denn auf dem Boden fand sich wohlerhalten eine Säulenstellung in der Mitte, deren Sockel vollkommen im alten Brandschutt verborgen und dadurch geschützt mit voller Schärfe dastanden. Die Capelle lag mit dem Chor und der Altarstätte nach Osten und wahrscheinlich etwas im Boden eingetieft, so daß man einige Stufen hinabsteigen mußte, oder aber es kann auch gewesen sein, daß der Brandschutt im Hofe so hoch lag, daß man die Kosten der Wegschaffung scheute und darauf geradezu weiterbaute. Ungefähr 4 Fuß hoch waren die Sockel und Säulen erhalten, und mit der oberen
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Fläche des Bodens im Hofe gleich gemacht. Wahrscheinlich waren sie abgehauen, weil sie von Stein, unverbrennlich, vielleicht durch den Gewölbeeinsturz zerschlagen, hindernd im Wege standen.
Von den sonstigen Ueberresten der Capelle und der andern Bauten finden sich in den benachbarten Straßen noch eine Menge. Namentlich sind es zierlich gegliederte Pfeilerüberreste, welche die Stelle von Abweis- und Schrotsteinen in der Stein-, Gelnhäuser- und Lindheimergasse heutzutage vertreten.
Ueberreste von alten Plattenböden fanden sich ebenfalls, namentlich aber war ein altes Kellergewölbe mit aufgemauerten viereckten sehr dicken Tragepfeilern ein Gegenstand, der der größten Aufmerksamkeit würdig war. Der Thorbogen am Eingang gegen das Plätzchen hin zeigte noch in den obersten Steinen die Ansätze der Wölbung, welche bei dem Einsturz des darüber befindlichen Thorhauses stehen geblieben war. Es war ein Interimsdach darüber gelegt, und in diesem Kleide war es unserer ganzen Generation wohl bekannt; das alte Stück Mauer rechts vom Eingang auf dem Plätzchen war ebenfalls noch Original Ringmauer und hatte namentlich des Abends sehr oft in der Dunkelheit mit dem danebenliegenden Bogen des kleinen Trierischen Hofes vollkommen das Aussehen einer uralten Gebäulichkeit. Namentlich gilt dieß von der Zeit, in welcher die kleinen Laternen noch in den engen Straßen nicht verdrängt waren. Eine einzige derselben war in besagtem engen Gäßchen angebracht, dem Eichenbergischen Eckhaus gegenüber, und die Beleuchtung derselben war so bescheiden, daß sie den Beschauer über die eigentliche Form der umliegenden Gebäude vollkommen im Zweifel ließ, was aber nur den romantischen Eindruck der ganzen Ortsgelegenheit ungemein erhöhte.
Das hölzerne Thor, welches allabendlich geschlossen
Band 11
Grenzmauer in der Steingasse
Juni 1850
Vor dem gänzlichen Abbruch von Juni dieses Jahres [1850] ging von dem Hause H.97, Steingasse 9, anfangend die Mauer des Hofes in gleicher Breite mit der Straße weiter, weil sie hier die Grenze des ehemaligen Hofes bildete; jetzt aber wird sie um etwa 12 Fuß zurückgezogen, wodurch vor dem Hause ein Plätzchen entsteht und das Haus zum Eckhaus wird. Die alte Ringmauer hatte dicht bei dem Hause eine Thür nach der Steingasse hin, welche aber stets verschlossen und von innen verriegelt war,
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Als ich nun im Jahre 1845 in meiner Vertrauensseligkeit denselben einem Bekannten zeigte, war nach vier Tagen der Klopfer sammt dem Blech verschwunden und wie er mir später selbst sagte, in seinem Besitz. Er hat denselben leider nicht mehr, sondern ihn bald darauf verkauft oder vertauscht.
So pflegt es mit vielen Alterthümern zu gehen.
Hinter der Thüre befand sich ein kleiner freier Raum zwischen der Ringmauer und den Schoppengebäuden, der von keiner Seite leicht eingesehen werden konnte; er lag einsam da und war gleich der Thüre reichlich mit Brennesseln, Gras und Hollunder bewachsen, ein unschätzbarer Spielplatz für uns Knaben, denn von dem Ueberrest der ungeheuer dicken Ringmauer, auf der der Besitzer des Hauses Steingasse 9, s.d., sich sogar von seinem Hofe aus ein Gärtchen angelegt hatte, da das Haus theilweise auf derselben aufgebaut war, wußten wir Knaben leicht einen Weg hinunter zu finden, den uns so leicht Niemand streitig machen konnte, s. oben.
Band 11
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älteren Baues aufgeführt, wahrscheinlich mit den dem Brandschutt des Trierischen Hofes entnommenen Steinen, da der Hof nicht wieder aufgebaut wurde.
Auf dem Brandplan ist es als Obermeyer‘sche Behausung angegeben.
Band 11, Seite 119
Weiblein | Grosses Weiblein | Alt Weiblein
Tuchgaden 3
M.166
22. Mai 1859
Der jetzige Besitzer Herr Reuter ließ das Haus im Jahr 1843 bis auf den ersten Stock niederreißen und neu aufbauen. Es war ein Haus in Holzarchitektur mit geschnitztem Giebel, siehe Abb. [R0444] II.131., welche vom Dom aus gezeichnet ist. Eine Tafel, sie sich am Haus mit alter Schrift befand, ließ Herr Reuter sorgfältig abnehmen und brachte sie im Hofe an einem passenden Platze an; die Inschrift lautet
Zum grossen Waybel bin ich genant
Von Alters her also bekannt. 1613
Eine neue Tafel in gleicher Größe ließ er gegenüber anbringen mit folgender Schrift
Neuerbaut von Jacob Reuter 1843.
Auch die geschnitzten Träger bewahrte er sorgfältig, wie er überhaupt beweist, daß er den lebendigen Sinn für die Sache in sich trägt.
Als Schlußsteine der unteren Thüröffnungen folgende Marken, s. Ab. [R1126] [R1128]
Die Steinhauerarbeit des stehengebliebenen massiven Unterstocks hat außerordentlich zierliche und originelle Formen und sind die Abb. nachzusehen.
Band 11, Seite 121
Gadeneck | Neue Gaden
Tuchgaden 2
M.200
22. Juni 1858
Ein altes Haus mit massivem steinernem Unterbau und schönen hölzernen Streben unter dem Ueberhang des ersten Stocks. An dem Eck auf dem mittleren die Figur eines Ochsenmetzgers mit seinem Schlagbeil, darüber auf einem Täfelchen die Jahreszahl 1545, darunter ein Schild mit der Inschrift
C V N R A T
Die eine Figur zur Seite, eine Justitia, hält ein Schwert und eine Wage und trägt die Inschrift Justitia, die andere, eine nackte weibliche Figur bringt sich mit einem langen Dolche zwischen den beiden Brüsten eine tiefe Wunde bei und führt die Inschrift Lucretia. Auf dem steinernen Theile des Sockels finden sich die Buchstaben V . D . M . I . E. Verbum domine manet in eternum (aeternum)
Die Ausführung der Figuren ist roh, dagegen die Ornamente fein.
Band 11, Seite 123
Stadtmauer am Untermainthor | Am ehemaligen kleinen Main
10. August 1873
Ungefähr gegenüber dem v. Rothschild‘schen Hause ist in der Futtermauer ungefähr 10 Fuß über dem ehemaligen Wasserspiegel des sogenannten kleinen Mains eine Steinplatte eingefügt, welche auf einem etwa einen Zoll tiefer liegenden Felde die erhaben gearbeitete Inschrift trägt 1663. Dicht daneben eine zweite Tafel mit der Inschrift Renovatum 1695, s. Ab.
Beide Steine sind nunmehr beinahe ganz überwachsen.
Band 11, Seite 125
Vilbelergasse 29
C.34
8. Juli 1864
Ein ganz von Backsteinen aufgeführtes Haus, vielleicht das einzige in dieser Art hier, die Fenster liegen mit ihren steinernen Kreutzstöcken in ziemlich tiefen Blenden, welche oben mit einem flachen Bogen überwölbt sind. Ueber der Hausthür eine neue Blende ein Wappen, das sich auch an dem Hause C.40, Hammelsgasse (17) findet, s.d. - Die eisernen Anker an dem Hause bilden in ihrer Stellung die Jahreszahl 1 6 6 1 [MZ_11-4]